Bienen sind unverzichtbare Bestäuberinnen und wichtige Indikatoren für den Zustand naturnaher Lebensräume
Zum zweiten Mal haben Sie die Gelegenheit die „Biene des Jahres“ zu wählen! Mit dieser Wahl wollen wir die Bedürfnisse unterschiedlicher Bienenarten stärker ins Licht rücken. Trotz ihrer Einzigartigkeiten – die mehr als 600 Bienenarten in der Schweiz brauchen alle das Gleiche: einen Lebensraum mit vielfältigen Blühpflanzen und passenden Nistplätzen. Solche Lebensräume werden immer seltener, denn intensivierte Landwirtschaft, Zersiedelung, Verbauung in Städten und verbreiteter Pestizideinsatz, setzen Bienen und anderen Insekten stark zu.
Machen Sie mit und helfen Sie uns, diesen unersetzlichen Bestäuberinnen eine Stimme zu geben! Sie können bis zum 15. März 2026 abstimmen.
Die drei Bienen stellen sich vor

(Foto: Sarah Grossenbacher)

(Foto: Albert Krebs, ETH Bildarchiv)

(Foto: Albert Krebs, ETH Bildarchiv)
Die Blauschwarze Holzbiene – eine sanfte Riesin
Schon von weitem hört man ihr Brummen. Doch keine Sorge: Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) ist sehr friedlich. Mit einer Grösse von 2 bis 3 cm zählt sie zwar zu den grössten Wildbienen Europas, ist aber besonders sanft. Man erkennt sie gut an ihrem schwarzen Körper, den dunklen Haaren und ihren wunderschönen blau-violetten Flügeln.


Geschickte Holzarchitektin und Sägemehlproduzentin
Im Frühjahr beginnt ihr Werk: Sorgfältig sucht sie Hauswände, Pergolen, abgestorbene Bäume, Gartenpfosten nach einem geeigneten Nistplatz ab. Diesen findet sie in abgestorbenen, sonnenbeschienen Totholzstrukturen, die noch nicht zu morsch sind – etwa in Streuobstwiesen oder Waldrändern.
Ihren deutschen Namen verdankt sie ihrer besonderen Nistweise: Stundenlang nagt sie fingerdicke, bis zu 30 cm lange Gänge ins Holz. Ihre Kauwerkzeuge sind so kräftig, dass sie sogar Sägemehl produziert. Dieses benutzt sie dann zusammen mit ihrem Speichel, um Trennwände zwischen den einzelnen Brutkammern zu bauen. In jedes Kinderzimmer legt sie ein Ei und reichlich Pollen als Proviant.
Holzbienen-Mamas bewachen aufmerksam den Nesteingang
Anders als viele Wildbienenmamas erlebt die Holzbiene, das Schlüpfen ihrer Kinder. Bis es soweit ist, bewacht sie den unverschlossenen Nesteingang und verteidigt ihn gegen Eindringlinge. Im Juli ist es dann so weit und die neue Generation erblickt das Licht. Nach dem ersten Sommer suchen sich die Jungtiere geschützte Überwinterungsquartiere in Hohlräumen von Lehm- und Lösswänden oder in Baumstämmen. Erst im nächsten Frühling kommt es dann zur Paarung und die begatteten Weibchen beginnen nun ihre eigenen Nester in Holz zu nagen und sammeln fleissig Pollen für ihren Nachwuchs.
Kurzer Geduldsfaden bei „zu tiefen“ Blüten
Sie hat zwar eine lange Zunge, aber wenn sie bei einer besonders tiefen Blüte trotzdem nicht an den Nektar rankommt, beisst sie einfach ein Loch in die Blütenwand, ohne die Blüte zu bestäuben.
Besonders gern mag sie Breitblättrige Platterbsen oder Staudenwicken. Die Platterbse eignet sich übrigens super für Zäune oder Böschungen und ist auch bei der Platterbsen-Mörtelbiene, der Garten-Blattschneiderbiene und der Schwarzbürstigen Blattschneiderbiene äusserst beliebt. Auch mit Blauregen begrünte Fassaden oder Pergolen sind häufig genutzte Nahrungsquellen.
Was kann ich für Holzbienen tun?
In den letzten Jahren hat sich diese wärmeliebende Holzbiene aufgrund des Klimawandels bis nach Dänemark ausgebreitet und gilt derzeit in der Schweiz nicht als bedroht. Aber auch sie ist weiterhin fest angewiesen auf genug Nahrung und Nistplätze.
Ob Breitblättrige Platterbsen oder Staudenwicken als Rankenpflanzen an einem Zaun, oder Muskateller-Salbei als aromatische Staude im Garten: Wer diese Leckerbissen im Garten hat, hilft den Holzbienen, genug Proviant für ihren Nachwuchs zu sammeln. Man kann Holzbienen nicht nur durch geeignete Pollenquellen in den Garten locken, sondern auch durchs Aufstellen von totem, aber noch ziemlich festem Laubholz wie Pappel, Weide und Apfel. Wichtig ist ein sonniger Standort. Dicke, abgestorbene Äste oder Baumstrünke können so für viele Jahre ein wertvoller Lebensraum sein.
Vielleicht ein guter Grund, den Garten ein bisschen «unaufgeräumter» lassen zu dürfen? – die Bienen und viele Insekten und Vögel freut’s.


Die Gelbbindige Furchenbiene – ihre gelben Streifen sind ihr Markenzeichen
Ihren deutschen Namen hat Halictus scabiosae den schönen gelben Haarbinden auf ihrem Hinterleib zu verdanken. Sie ist etwa so gross wie eine Honigbiene und nebst vielen Hummeln eine der wenigen Wildbienen, die zeitweise gemeinschaftlich lebt. Die Männchen haben übrigens auch diese markanten Streifen, sind aber viel schmaler gebaut und haben lange Fühler.
Die Weibchen kann man ab Ende April beobachten, sie fliegen noch bis weit in den September hinein. Besonders hilfreich ist daher ein kontinuierliches Blütenangebot bis in den Herbst hinein und gestaffeltes Mähen.


Keine „Rosinenpickerin“
Im Gegensatz zu vielen spezialisierten Wildbienenarten ist sie nicht wählerisch – ihrem Nachwuchs kommt Vieles auf den Teller. Am liebsten mag sie Korbblütler, wie Flockenblumen, Disteln, Wegwarten, Skabiosen-Flockenblumen und Kornblumen, sie ist aber auch an anderen Pflanzenfamilien anzutreffen.
Teamwork im Frühling
Viele Wildbienenarten sind Einzelgängerinnen – das heisst, ein Weibchen baut und versorgt ihr Nest ganz allein. Nicht so die Gelbbindige Furchenbiene. Mehrere begattete Weibchen überwintern zusammen und bilden Frühlings- Gemeinschaften. Das grösste Tier übernimmt die Funktion der «Königin», bleibt im Erdnest und legt als einziges Weibchen Eier. Die anderen Weibchen sind zuständig fürs Sammeln und Anlegen der Vorräte. Die „Königin“ bewacht auch das Nest und schützt es vor Feinden, während die anderen Bienen eifrig Pollen und Nektar suchen. Noch vor dem Schlüpfen ihrer Arbeiterinnen vertreibt die Königin die anderen Weibchen. Diese gründen nun eigene Nester – manchmal „klauen“ sie sogar Nester von anderen Bienen.
Sonnige, sandige Bodenstellen sind ihr am liebsten
Wie etwa 75 % der Wildbienenarten nistet auch diese Furchenbiene im Boden. Etwa die Hälfte der bodennistenden Arten ist gefährdet und besonders darauf angewiesen, dass man ihre Lebensräume erhält. Die Gelbbindige Furchenbiene ist aktuell nicht bedroht, sie ist auch eine der wenigen Wildbienen, die nicht unter den steigenden Temperaturen leidet. Sie nistet an offenen, vegetationsarmen Stellen oder an Steilwänden, wo sie ihre Nester mehrere dutzend Zentimeter tief eingräbt. Am liebsten mag sie Sand oder Lösslehm. Besonders wertvoll sind Ruderalstellen mit offenen Bodenstellen, Sand- und Lehmgruben, extensiv genutzte Weinberge oder Magerrasen – sie ist aber eine wahre Anpassungskünstlerin und kommt auch im Siedlungsbereich und in Gärten vor.
Was kann ich für bodennistende Arten tun?
Obwohl die Gelbbindige Furchenbiene momentan nicht als gefährdet gilt, bedrohen sie Pestizide, Flächenversiegelung und der Verlust von Nistplätzen. Grundsätzlich gilt: Bodennister sind gefährdeter als die oberirdisch nistenden Arten. Dies liegt wohl daran, dass viele spezifische Ansprüche an die Bodenqualität und die Verdichtung haben, während oberirdisch nistende Arten weniger wählerisch sind. Wer bodennistenden Arten helfen möchte, erhält ihre Lebensräume und kann in seinem Garten offene Bodenstellen belassen, eine Sandlinse anlegen, spät mähen und für ein vielfältiges Blütenangebot sorgen. So bleiben sie Teil unserer lebendigen Landschaft.


Die Glockenblumen-Scherenbiene – Glockenblumen sind ihr Metier
Diese eher kleine Biene (Chelostoma rapunculi) ist ein absoluter Glockenblumen-Fan. Sie sammelt nicht nur ausschliesslich Pollen und Nektar von Glockenblumen, manchmal schläft sie auch in ihnen oder macht Pause, wenn es regnet. Die Weibchen haben einen schlanken tiefschwarzen Körper mit weissen Haarbinden auf dem Hinterleib. Die Männchen haben eine etwas rostrote Behaarung.


Futter- und Nistplatz möglichst nah beieinander
Vielleicht haben Sie sie schon mal in einer Glockenblume entdeckt: Sie fliegt von Mitte Juni bis Ende August und mit ihrer 8 bis 9 mm Grösse und dem schwarzem Körper, ist sie recht schnell in einer lila-farbenen Blüte gesichtet. Sie ist eine wahre Spezialistin für Glockenblumen und sammelt Pollen und Nektar nur dort. Manchmal kann man auch mehrere Männchen zusammengeknäuelt, schlafend in einer Blüte beobachten. Schlafende Bienen erkennt man an den ruhenden Fühlern. Ein Bienen-Powernap dauert kaum länger als 15 Minuten, dann erwachen sie langsam wieder. Auch bei plötzlichem Regen verweilen diese Wildbienen oft in den Glockenblumen – ihr ganz persönlicher Regenschirm, Pollen-Snacks inklusive. Während einer Schlechtwetterperiode kann es durchaus sein, dass sie tagelang dort rasten.
Um genug Vorräte für eine Brutzelle zu sammeln, braucht diese Biene durchschnittlich 19 Sammelflüge. Je weiter weg sie fliegen muss, desto weniger Brutzellen kann sie in ihrem kurzen Leben versorgen. Noch ist sie nicht bedroht, allerdings kommen Glockenblumen immer seltener in intensiven Grünlandnutzungszonen vor, denn sie gedeihen am besten auf ungedüngten, mageren Wiesen, Weg- und Waldrändern.
Grundsätzlich besiedelt diese Scherenbiene Waldränder, Waldlichtungen, Streuobstwiesen und Magerwiesen. Immer häufiger findet sie auch Zuflucht im Siedlungsraum und in Gärten – überall dort, wo Glockenblumen blühen. Und so macht sie deutlich, wie wertvoll strukturreiche, blütenreiche Gärten und städtische Grünflächen für Wildbienen sein können. Mit etwas Glück kann man auch die Kurzfransige Scherenbiene in Glockenblumen beobachten. Sie ist auch auf Glockenblumen angewiesen, aber mit ihren nur 4 bis 6 mm klitzeklein und daher gut von der Glockenblumen-Scherenbiene zu unterscheiden.

Einheimische Glockenblumen für Gross und Klein
Es gibt rund 30 einheimische Glockenblumen – sie sehen nicht nur schön aus und eignen sich gut für den Balkon oder Garten: In der Schweiz sind sechs Wildbienenarten auf Glockenblumen spezialisiert und sammeln nur dort Pollen und nutzen sie bei Schlechtwetter als Rastplatz oder auch als Schlafplatz. Für schattigere Standorte ist z.B. die Nesselblättrige Glockenblume super geeignet. Die Rundblättrige Glockenblume fühlt sich in Sonne und Halbschatten wohl.



Eine Hohlraumnisterin
Die Mehrheit der Wildbienen nistet im Boden. Nicht so, diese Scherenbiene. Sie nistet am liebsten in Hohlräumen in totem Holz und Käferfrassgängen oder hohlen Stängeln. Sie ist eine der wenigen Bienenarten, die auch künstliche Nisthilfen annimmt, sofern diese korrekt gebaut wurden. Es gibt leider viele künstliche Nisthilfen auf dem Markt, die völlig ungeeignet sind und so dem Bienennachwuchs mehr schaden als helfen. Bei geeigneten Nisthilfen findet man diese Biene gelegentlich in tiefen Bohrungen in Holz oder 15 – 20 cm langen Bambus- und Schilfröhrchen an. Der Innendurchmesser sollte jedoch nicht zu gross sein, 3.5 mm reichen schon und es sollte gut geschliffen sein und keine Risse im Holz haben. Tannenzapfen, Schneckenhäuser, Stroh sind für Bienen in einem Insektenhotel hingegen völlig wertlos.
Ihr Nestverschluss ist übrigens ziemlich gut erkennbar, denn sie setzt kleine Steinchen in den weichen Mörtel. Übrigens heissen Scherenbienen so, weil sie kräftige, scherenartige Mundwerkzeuge haben, die sie für den Bau des Nestverschlusses brauchen. Nach dem Trocknen werden die Nestverschlüsse steinhart und die nächste Generation muss sich nach dem Schlüpfen zunächst einmal kräftig durchbeissen.
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Biene des Jahres 2026 – Jetzt abstimmen!
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