Wildbienen sind nicht wegen Honigbienen gefährdet 

Medienmitteilung 9. April 2024

Schädigen zu viele Honigbienen die Wildbienenpopulationen? Diesem Thema widmeten sich Imkerinnen und Imker am vergangenen Samstag an der 146. Delegiertenversammlung von BienenSchweiz in Baar. Für den Referenten Vincent Dietemann, Wissenschaftler am Zentrum für Bienenforschung, ist klar: Die Datenlage über eine mögliche Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen ist mangelhaft. Zudem sind andere Faktoren bekannt, welche viel grösseren Einfluss auf die Situation der Wildbienen haben.  

In jüngster Zeit fordern einige Wildbienenschützer gesetzliche Beschränkungen der Honigbienenhaltung. Als Grund wird das geringe Blütenangebot angegeben, von dem sowohl gefährdete Wildbienen als auch die Honigbienen in imkerlicher Obhut zehren.  Diese Befürchtungen wurden medial gut aufgenommen und führten teilweise schon zu politischen Vorstössen, die eine Regulierung der Imkerei forderten. Entsprechend logisch war es, dass BienenSchweiz als Verband der Imkerinnen und Imker in der deutschen und rätoromanischen Schweiz sich an der DV diesem Thema widmete. 

Mangelhafte Faktenlage und andere gewichtigere Faktoren

Fast die Hälfte der rund 600 Wildbienenarten in der Schweiz sind gefährdet. Nachhaltige Lösungen sind also dringend notwendig. Doch kann eine gesetzliche Regulierung der Honigbienenhaltung tatsächlich die Situation der Wildbienen verbessern? Der Bienenwissenschafter Vincent Dietemann legte in seinem Fachreferat wissenschaftlich fundiert dar, dass die Hauptgründe für den Wildbienenschwund vor allem im Verlust der Lebensräume, dem Nahrungsmangel, dem Einsatz von Pestiziden und dem Klimawandel liegen. Für eine mögliche Nahrungskonkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen ist die Faktenlage eindeutig zu mangelhaft und es können seriös keine diesbezüglichen Rückschlüsse gezogen werden. Gemäss Dietemann sind «Konkurrenzgeschichten nicht produktiv. Für eine optimale Bestäubung, die Ernährungssicherheit und den Naturschutz brauchen wir sowohl Wild- als auch Honigbienen.» Entsprechend ist eine gesetzliche Regulierung der Honigbienenhaltung nicht zielführend. 

Martin Schwegler wird Präsident von BienenSchweiz

«Vereinfachte Schuldzuweisungen helfen dem Wildbienenschutz nicht. Jetzt gilt es, die Diversität zu fördern und neue Lebensräume für alle Bienen zu schaffen!», kommentiert der neue Präsident von BienenSchweiz, Martin Schwegler, die Ausführungen von Vincent Dietemann. «Im Rahmen der Blühflächenförderung schafft BienenSchweiz ganz genau das, was alle Bienen brauchen: blüten- und strukturreiche Flächen im Siedlungsgebiet wie auch in der Landwirtschaftszone.», so Schwegler weiter. Der Menznauer Rechtsanwalt wurde von der DV in Baar als Nachfolger von Mathias Götti Limacher gewählt, der sein Amt nach sieben Jahren abgibt. Götti Limacher ist neu Geschäftsführer von BienenSchweiz und bleibt so dem Verband erhalten. Ebenso wurde mit Othmar Frey, Oberengstringen, ein neues Vorstandsmitglied gewählt. 

Mit der personellen Neuordnung soll eine klarere Trennung zwischen operativer und strategischer Verantwortung geschaffen werden. Auf operativer Ebene ist das Blühflächenengagement von BienenSchweiz ein zentrales Projekt, dem sich der neue Geschäftsführer Götti Limacher widmen wird. Dieses Projekt ist ein konkreter Beitrag zum Schutz der Biodiversität und verbessert so mit der Schaffung von Nistgelegenheiten und blühenden Lebensräumen zielgerichtet die Situation aller Bienen. Im letzten Jahr konnten bereits über 500‘000 Quadratmeter Blühflächen geschaffen werden (www.bienen.ch/bluehflaechen).

Kontakt:

Martin Schwegler, Zentralpräsident BienenSchweiz, 041 494 00 33, martin.schwegler@bienenschweiz.ch

Mathias Götti Limacher, Geschäftsführer BienenSchweiz, 071 571 09 30, mathias.goetti@bienenschweiz.ch

Bilder:

Die hochaufgelösten Bilder können sie hier herunterladen

Vincent Dietemann vom Zentrum für Bienenforschung hielt an der Delegiertenversammlung von BienenSchweiz einen Fachvortrag über die mögliche Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen.

Eine Wild- und Honigbiene in einer Malvenblüte

Martin Schwegler (rechts) wurde von der Delegiertenversammlung zum neuen Zentralpräsidenten gewählt. Mathias Götti Limacher (links) wird neu Geschäftsführer von BienenSchweiz. 

Martin Schwegler aus Menznau (LU) ist der neue Zentralpräsident von BienenSchweiz.