Wildbienen, die Sie jetzt im Garten sichten können

Im Mai tut sich Einiges in der Bienenwelt. Mit den milderen Temperaturen beginnt langsam aber sicher für einige Wildbienen die Nistsaison. Drei davon stellen wir Ihnen hier vor und zeigen, was sie besonders mögen.

Flauschige Frühlingsbotin: Die Fuchsrote Lockensandbiene

Eine häufige Gartenbesucherin im April und im Mai, ist Andrena fulva. Mit ihrem leuchtend fuchsroten Haarkleid ist sie kaum zu übersehen. Aufgrund ihrer Haarpracht trägt sie gleich mehrere deutsche Namen: Rotpelzige oder Fuchsrote Sandbiene oder eben fuchsrote Lockensandbiene.

Die Fuchsrote Sandbiene bestäubt gerne Johannis- und Stachelbeeren.
Dieser kleine Rotschopf nistet im Boden. (Fotos: Albert Krebs, ETH Bildarchiv)

Von April bis Mai ist sie mitten drin in den Brutvorbereitungen und sammelt fleissig Pollen für ihren Nachwuchs. Besonders häufig trifft man sie an Stachel- oder Johannisbeeren, aber auch Heidelbeeren und Berberitzen werden gerne von ihr bestäubt. Wer im Sommer dann die leckeren Beeren nascht, denkt vielleicht kurz an diese flauschige Biene zurück. Und auch ganz kleine Blüten, die man fast übersieht, wie der Persische Ehrenpreis, oder Bäume wie der Berg-Ahorn werden gern von ihr besucht.
Wie viele Wildbienen nistet sie im Boden. Sie gräbt ihr Nest bis zu 50 cm tief in spärlich bewachsene Stellen, oft an Wegrändern, zwischen Pflastersteinen oder am Fusse von Gartenmauern. Manchmal sieht man mehrere hundert Nester dicht beieinander in lückigen Rasenflächen. Trotzdem lebt diese Biene solitär und versorgt ganz allein ihre Nachkommen.

Von wegen gehörnt: Die Mai-Langhornbiene

Eigentlich haben Langhornbienen gar keine Hörner, aber die auffallend langen Fühler der Männchen erinnern wohl etwas an kleine «fliegende Steinböcke», flink sind sie auf jeden Fall. Und so erhielten diese Bienen den wissenschaftlichen Gattungsnamen Eucera, was sich aus «eu» = gut und «cera» = Hörner zusammensetzt. In der Schweiz gibt es zwölf Langhornbienenarten. Manche sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) und die Juni-Langhornbiene (Eucera longicornis) sind von blossem Auge kaum zu unterscheiden, die Flugzeit kann da ein kleiner Hinweis sein, denn die Mai-Langhornbiene ist schon etwas früher im Jahr unterwegs. Beide Arten sind auf Schmetterlingsblütler spezialisiert, wobei man die Mai-Langhornbiene besonders oft an Wicken wie Zaunwicken, Vogelwicken antrifft.

Die Männchen haben auffallend lange Fühler, die etwas an Hörner erinnern. Die Mai-Langhornbiene liebt Zaunwicken über alles, am besten lässt man Zaunwicke-Inseln stehen und mäht sie, wenn dann, erst nach Mitte Juni. Foto: Sarah Grossenbacher
Hummel-Ragwurzblüten ahmen den Duft eines Weibchens nach und locken so Langhornbienen-Männchen zu sich. Ehe das Männchen die Täuschung bemerkt, kleben schon kleine «Pollen-Antennen» auf seinem Kopf. Foto: Albert Krebs, ETH Bildarchiv

Vor allem die Männchen patrouillieren mehr oder weniger geduldig an Blütenständen von Zaunwicken oder Frühlings-Platterbsen und hoffen, dass ein Weibchen vorbeikommt. Manchmal verwechseln Männchen bestimmte Orchideen-Blüten mit Weibchen. Ganz schön ausgeklügelt, nahmen die Ragwurz-Blüten den Lockstoff eines paarungsbereiten Weibchen nach und ehe das Männchen den Schwindel bemerkt, hat es schon klebrige «Pollenpakete» auf seinem Kopf. Mit diesen vollbeladenen Pollen-Antennen fliegt es zum nächsten Weibchen, das sich schon bald wieder als Blüte entpuppt und bestäubt so ganz nebenbei die nächste Ragwurz.

Kleine «Hexen-Biene»: Die Zweifarbige Schneckenhausbiene

Auf den ersten Blick erinnert Osmia bicolor, die Zweifarbige Schneckenhausbiene, ein wenig an die Fuchsrote Sandbiene – zumindest was den «Flauschigkeitsgrad» betrifft. Doch bei genauerem Betrachten sieht man schnell die Unterschiede: Sie ist vorne ganz schwarz und nur hinten orange-braun.

Ihre Nistweise ist besonders spannend: Sie nutzt leere Schneckenhäuser als Kinderstube. Meist beginnt sie Mitte bis Ende April mit dem Nestbau. In der Regel legt sie pro Schneckenhaus ein Ei ab und versorgt es reichlich mit Pollen verschiedener Blütenpflanzen. Anschliessend wird das Häuschen sorgfältig getarnt. Mit einem selbst hergestellten «Pflanzenmörtel» aus zerkauten Blättern tapeziert sie das Schneckenhaus im «Camouflage-Look». Damit ja kein Regenwasser das Haus füllt, dreht sie das Schneckenhaus so, dass der Eingang dicht auf dem Boden aufliegt.

Camouflage mit Pflanzenmörtel.
Kleine Bienen-Hexe im Anflug. (Fotos: Albert Krebs, ETH Bildarchiv)

Oft sieht man die Biene wie eine «kleine Hexe auf dem Besen» vorbeifliegen (bzw. in ihrem Fall sind es Kiefernadeln, Grashalme oder längliche Holzstückchen). So transportiert sie hunderte Nadeln und anderes Baumaterial und bedeckt damit sorgfältig das Schneckenhaus – sichtbar bleibt am Ende einzig der Nadelhaufen.

Sanfte Riesin: Die Blauschwarze Holzbiene

Die Biene des Jahres, die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violaceae) besucht uns immer wieder mal in naturnahen Gärten. Sie ist bereits sehr früh im Jahr unterwegs, etwa ab Ende April beginnt sie mit dem Nestbau und man kann sie mit etwas Glück dabei beobachten. Für die Kinderzimmer wählt sie sonniges Totholz: das können alte Baumstämme sein, Pfähle oder auch dicke Äste. Mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen nagt sie dann lange Gänge ins Holz und in Kinderzimmer kommt ein Ei mit ganz viel Pollen.

Ganz schön gross.
Auftanken an einer Platterbse. (Fotos: Sarah Grossenbacher)

Nahrung findet sie vor allem an Platterbsen, Wicken, Erbsen, Bohnen, aber auch an verschiedenen Kräutern. Wer ihr ein Plätzchen im Garten schaffen möchte, kann bereits jetzt Schmetterlings- und Lippenblütler aussäen und etwas verwittertes Laubholz an einem sonnigen Ort aufstellen. Vielleicht schlüpft dann bereits im August die neue Generation.

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Text: Michelle Knecht; Titelbild: Albert Krebs, ETH Bildarchiv