Was machen Bienen, wenn es heiss ist?

Im Bienenstock herrschen das ganze Jahr über sommerliche Temperaturen. Damit sich die Brut optimal entwickeln kann, halten Honigbienen die Temperatur im Brutnest konstant bei rund 35 °C. Selbst im Winter, wenn keine Brut vorhanden ist, lassen sie die Temperaturen im Inneren kaum unter 20 °C sinken. Doch wenn draussen die Sommersonne brennt und die Temperaturen in die Höhe klettern, kann es auch den Bienen zu warm werden. Dann ist Teamwork gefragt – und der Bienenstock wird mit vereinten Kräften gekühlt.

Raus mit der warmen Luft

Steigt die Temperatur im Innern, wird gemeinsam gelüftet. Dabei versammeln sich die Arbeiterinnen am Flugloch und schlagen mit ihren Flügeln – bis zu 7200-mal pro Minute -, um so die warme Luft aus dem Stock zu fächeln. Spannend dabei: Die einzelnen Bienen beginnen bei unterschiedlichen Temperaturen mit dem Fächeln. Ausschlaggebend dafür ist die Genetik. Je nach Vater haben die Arbeiterinnen ein unterschiedliches Verständnis von «zu heiss». Einzelne beginnen beispielsweise bereits bei 37°C zu fächeln, andere erst bei 39°C. Führt das nicht zu einem Durcheinander? Im Gegenteil: Forschende aus Australien konnten zeigen, dass dank dieser genetischen Vielfalt die Temperatur relativ konstant bleibt.

Wasser zum Kühlen

Weiter sammeln Bienen bei heissen Temperaturen Wasser und verteilen dieses tröpfchenweise auf den Waben. Durch die Verdunstung wird der Bienenstock nun zusätzlich runtergekühlt. Wie das genau aussieht, können Sie im Video von Paul Siefert und seinem Forscherteam genauer anschauen. Zusätzlich lassen Bienen auch Wassertröpfchen, die sie zwischen ihrer Zunge und ihrem Kopf halten, verdunsten.

Wassersammeln ist aber für Bienen ein Hochrisikojob. Um nicht zu ertrinken, brauchen Sie deshalb eine sichere Landefläche wie Moos, Steine, Äste oder ähnliches. Sie können den Bienen und anderen Insekten helfen, indem Sie ihnen eine Tränke zur Verfügung stellen. So fällt ihnen das Wassersammeln deutlich einfacher. Füllen Sie dafür einen Pflanzenuntersetzer mit etwas Wasser und legen Sie Steine oder Moos rein. Schon bald werden Sie die ersten Besucherinnen begrüssen dürfen. Wichtig: Damit die Tränke nicht zur Brutstätte der Tigermücke wird, muss das Wasser regelmässig, mindestens einmal pro Woche, ausgewechselt werden.

Abhängen auf der Terrasse

Bienen haben noch einen weiteren Trick auf Lager: Gerade gegen Abend, wenn die meisten Sammlerinnen heimgekehrt sind, wird es im Bienenstock oft eng – und entsprechend warm. Um die Kühlung im Innern nicht zusätzlich zu belasten, versammeln sich viele Bienen ausserhalb des Fluglochs am Bienenkasten. Dieses Phänomen nennen Imkerinnen und Imker «Bienenbart». Dabei verketten sich die Tiere miteinander und hängen über das Flugbrett hinaus, was tatsächlich wie ein Bart aussieht. Sobald die Temperaturen wieder sinken, ziehen die Bienen nach und nach zurück in ihre gute Stube.

Bild und Text: Sarah Grossenbacher