Besser an Kälte angepasst
Im Gegensatz zu den meisten solitären Wildbienen, bilden sie Staaten von 50 bis 600 Individuen. Allerdings Staaten, die nur eine Saison bestehen – nur die Jungköniginnen überleben. Anders als bei den Honigbienen überwintert nur die junge Hummelkönigin. Dank eines körpereigenen «Frostschutzmittel», kann sie aber problemlos Minusgrade aushalten.
Weltweit gibt es über 300 verschiedene Hummelarten, wovon etwa 40 in der Schweiz vorkommen. Dank ihres robusten Körperbaus und ihrem Pelz können Hummeln noch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fliegen. Sie sind daher eher in nördlichen und alpinen Regionen verbreitet und besser an kühlere Temperaturen angepasst. Sogar 800 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt, sind Hummeln noch anzutreffen. Sie bestäuben dort während des kurzen arktischen Sommers die Blütenpflanzen. In den Tropen hingegen sind nur wenige Hummelarten vertreten. Steigende Temperaturen auf Grund des Klimawandels machen es ihnen nicht leicht. Kein Wunder also, fliegen sie schon früh im Jahr, ab Temperaturen von 2 bis 6 Grad. Wenn es besonders kalt ist, können sie sich mit ihren kräftiger Flugmuskulatur «warm zittern».


Auf der Suche nach einem geeigneten Hummelquartier
Aber beginnen wir im Frühling: Von März bis Mai erwachen die jungen Hummelköniginnen aus ihren Winterquartieren und suchen einen geeigneten Nistplatz für ihr zukünftiges Volk. Das können verlassene Mäusebauten, Steinspalten oder Baumhöhlen sein, manchmal sogar Vogelnester.
Die Hummelkönigin baut ihre erste Brutzellen, legt Eier und versorgt die schlüpfenden Larven mit frisch gesammelten Pollen. Diese werden dann zu Arbeiterinnen heranwachsen und später für den Nestbau und die Brutpflege zuständig sein. Für sie selbst, sammelt sie Nektar als Energieboost. Gerade im Frühling ist es sehr wichtig, dass sie Pollen und Nektar findet. Hecken mit Kornellkirschen oder blühende Weiden und ungefüllte Blüten sind besonders wertvoll. Den Nektar wandelt sie als Schlechtwettervorrat zu Honig um und lagert ihn in gut geschützten Wachstöpfchen. Anders als bei Honigbienen, ist dieser Honigvorrat winzig, denn er muss ja nur für die Königin als Notfallproviant reichen und nicht wie bei den Honigbienen als Wintervorrat für das ganze Volk. Aufgrund der vergleichsweisen kleinen Menge an Honig und Wachs sah man lange keinen unmittelbaren Nutzen in Hummeln und ihre wichtige Rolle wurde verkannt. Die alten Griechen bezeichneten einen faulen Menschen sogar als „Hummelmenschen“. Heute weiss man es besser: Sie sind überhaupt nicht faul – ganz im Gegenteil, sie arbeiten oft bis zu 18 Stunden am Tag und sind fleissige Bestäuber vieler wichtiger Kultur- und Wildpflanzen.
Pelzige Bestäuberinnen «brummen» Pollen aus der Blüte
An einem Tag fliegt eine Hummel gut 500 bis 1000 Blüten an und sammelt ungefähr 12 mal mehr Nektar als eine Honigbiene. Anders als die meisten Honigbienen, sammeln Hummeln auch gleichzeitig Nektar und Pollen, was sie besonders effizient macht. Dennoch können Hummeln die Bestäubungsarbeit der Honigbienen nicht vollständig ersetzen, denn ein ganzes Bienenvolk bestäubt mehr Blüten als einige hundert Hummeln. Vielmehr ergänzen sich die Bestäuber. Auch Regen und kühlere Temperaturen hindert sie meist nicht daran, fleissig weiter zu sammeln. Viele Pflanzen mit besonders tief liegendem Nektar oder auch Nachtschattengewächse wie Tomaten oder Auberginen sind von Hummeln abhängig.
Bei Tomaten sitzen die Pollenkörner ziemlich fest in den Kapseln und müssen kräftig herausgeschüttelt werden, was im Freiland normalerweise der Wind übernimmt. Tomaten sind Windbestäuber und müssen in Gewächshäusern, wo kein Wind bläst, aktiv bestäubt werden. Dank der Hummeln ist es möglich, dass man Tomaten in Gewächshäusern aufzieht und der Ertrag steigt um 25%, wenn Hummeln bestäuben statt manuell. Hummeln bestäuben sehr effizient, indem sie sich in der Blüte festkrallen und ihre Muskeln, ohne die Flügel zu bewegen, weit über der im Flug üblichen Flügelschlagfrequenz von 180 Hertz bewegen. Durch dieses Brummen schütteln sie den Pollen wirksam aus ihren Behältern.
Naturnahe Gärten und Landschaften sind der beste Hummelschutz
Gerade im Hochsommer, wenn viele Wiesen in der Landwirtschaft gleichzeitig gemäht werden, kommt es für Bienen zu Nahrungsengpässen. Wie man bienenfreundlich mähen kann, kann man hier nachlesen. Im eigenen Garten oder auf dem Balkon, kann man mit einheimischen Früh- und Spätblühern für viele Pollen- und Nektarsnacks sorgen. Und generell gilt: unaufgeräumtere Gärten mit Totholzhaufen, stehengelassenen Pflanzenstängeln, Laubhaufen, Wassertankstellen (Wasserschalen mit darin liegenden Steinen, wo sie ruhen können), freut die Bienen und macht ihnen die Suche nach Wohnquartieren und Baumaterial einfacher – und ist erst noch weniger Aufwand.
Wussten Sie, dass…
…Hummeln äussert friedfertig sind und nur im absoluten Notfall stechen. Vorher warnen sie mit verschiedenen Signalen. Sie strecken ihr mittleres Bein der Bedrohung entgegen, quasi als „drohender Zeigefinger“. Wenn das nicht hilft, werfen sie sich auf den Rücken und zeigen mit lautem Brunnen ihren Stachel, um den Feind einzuschüchtern.
…jede Hummel ihren ganz eigenen Fussgeruch hat. Damit setzt sie Duftmarken an den Blüten und riecht somit schon von weitem, ob eine Blüte kürzlich von ihr oder anderen Hummeln besucht wurde.
…naturnahe Gärten und Landschaften sind der beste Hummelschutz. Sie können den Hummeln helfen, indem Sie Ihren Garten mit einheimischen Hecken und mehrjährigen Stauden bepflanzen, Wasserstellen anlegen, ganz auf Pestizide und Insektizide verzichten.