Ab in den Winterschlaf
Die Adventszeit hat begonnen, die Temperaturen werden frostig und die Honigbienen haben sich längst in ihrem wohlig warmen Stock zurückgezogen. Beim ersten Frost formen sie eine «Wintertraube» um die Königin schön warm zu halten. Bei den Wildbienen sieht die Winterzeit etwas anders aus: Bei den Hummeln überwintern nur die Jungköniginnen ohne ihr Volk und suchen sich mit einer gut gefüllten Nektarblase ein geschütztes Plätzchen im Erdboden. Dort graben sie sich bis zu 15 cm tief ein. Oder sie finden unter Laubhaufen und Baumwurzeln oder Mauerritzen Unterschlupf. Dank eines körpereigenen „Frostschutzmittels“ können sie Temperaturen bis zu -19 °C trotzen. Zudem ist ihr Stoffwechsel verlangsamt, so dass sie möglichst wenig Nahrung brauchen.
Bei den grossen Blauschwarzen Holzbienen kuscheln sich Männchen und Weibchen in geschützten Baumhöhlen zusammen und überwintern so die kalten Monate. Auch Keulhornbienen machen es sich oft zusammen gemütlich und suchen sich im Herbst und Winter Pflanzenstängel z.B. von Holunder oder Brombeersträuchern.


Bei den meisten anderen Wildbienenarten überwintert nur der Nachwuchs. Wenn die ersten Sonnenstrahlen im Frühling ihr Nest erwärmen, schlüpfen die fertig entwickelten Bienen aus ihren „Kinderzimmern“. Dann beginnt die aktive und wohl anstrengendste Zeit für die Bienen. Je nach Wildbienenart und wie gut das Blütenangebot in der Nähe ist, braucht ein Weibchen bis zu 50 Sammelflüge, um eine Brutzelle mit ausreichend Pollen zu versorgen.
Auftanken in Blüten
In den warmen Monaten haben die Bienen besonders viel zu tun: sie suchen Baumaterial, bauen Nester und Brutzellen, sammeln Pollen und legen Vorräte für ihren Nachwuchs an – um nur einiges zu nennen. Schlafen sie im Frühling und Sommer überhaupt? Ja, nachts, bei schlechtem Wetter oder in den Mittagsstunden sehr heisser Tage sind Wildbienen in der Regel nicht aktiv und ruhen sich aus. Entweder in ihren Nestern, sonstigen Hohlräumen, im Boden eingegraben oder sie suchen Blüten für ein Nickerchen auf. Bei schlafenden Bienen bewegen sich die Fühler und ihr Körper kaum noch, manchmal hängen die Fühler schlaff herunter. Sie sind aber keine Langzeitschläfer, ein Nickerchen dauert oft nur wenige Minuten.


Mittagsschläfchen an Grashalmen, Malven, Glockenblumen und Disteln
Auch in den Mittagsstunden sehr heisser Sommertage sind Wildbienen in der Regel nicht aktiv. Oft trifft man sie in Glockenblumen, Storchschnäbel, Malven, Wegwarten, Disteln oder Flockenblumen beim Nickerchen an. Übrigens: Glockenblumen eignen sich auch super als kleine Regenschirme. Manch eine Wildbiene, die von einem plötzlichem Regenguss überrascht wird, verweilt solange unter dem praktischen „Blüten-Schirm“ – Nektar-Snack inklusive.
Andere Wildbienenarten wie zum Beispiel die Kegelbienen, Filzbienen und Harzbienen beissen sich mit den Mandibeln (Kauwerkzeuge) zum Beispiel an einem Blattstiel, an einem kleinen Zweig oder an einem Grashalm fest und verharren so regungslos um sich zu erholen. Manchmal findet man grössere Schlafgesellschaften von Männchen, die wie ein Knäuel an einem dürren Stängel festgebissen sind, bis die Morgensonne sie erwärmt und der neue Tag beginnt.



Wo schlafen eigentlich Hummeln?
Generell schlafen Hummeln in ihrem Nest zum Beispiel in verlassenen Mäusebauten oder Steinhaufen, aber manchmal sieht man sie auch bei einem Nickerchen unter freiem Himmel in einer Blüte liegend.
Männliche Hummeln verlassen einige Tage nach dem Schlüpfen für immer das Nest und machen sich auf die Suche nach Weibchen. Nachts kehren sie nicht zu ihrem Geburtsnest zurück, sondern suchen sich Unterschlupf in grösseren Blüten. Manche Blüten schliessen sich nachts sogar, so sind darin liegende Hummeln besonders geschützt vor Fressfeinden.
Die Weibchen arbeiten bis zu 18 Stunden am Tag, kein Wunder brauchen sie auch mal Pause. Meistens kehren die Weibchen für einen längeren Schlaf in ihr Nest zurück, manchmal überrascht sie aber die Dunkelheit oder das Wetter und sie schaffen es nicht mehr rechtzeitig zurück. Wenn es zu kalt ist, fallen Hummeln und andere Wildbienen in eine Art Starre, dann übernachten sie an Blüten unter freiem Himmel und warten bis die Sonne sie wieder wärmt. Manchmal können sie sich sogar selbst warm zittern mit ihrer starken Flugmuskulatur. Wenn ein starker Regenschauer kommt, suchen sie Zuflucht in oder unter einer Blüte wie ein kleiner Regenschirm und verweilen dort.

Wie „Hummel-Nannies“ mit Schlafentzug umgehen
Verhaltensbiologen fanden heraus, dass der Schlaf von Hummeln erstaunlich sensibel auf den Nachwuchs reagiert. Ein bisschen wie bei uns Menschen – Eltern schlafen anfangs weniger und unregelmässiger. Anders als bei uns Menschen, wo Babies sich lautstark oder durch Strampeln bemerkbar machen, wenn ihnen etwas fehlt, läuft es bei Hummeln viel stiller über andere Sinne ab. Die Forscher gehen davon aus, dass Puppen und Larven Pheromone abgeben, also Botenstoffe, die die Hummel-Nannies dazu bringen, weniger zu schlafen und sich mehr um sie zu kümmern. Tatsächlich setzten sich die Nannies immer wieder behutsam auf die Larven, vermutlich um sie zu wärmen oder sie wuseln im Nest herum und kümmern sich um alles, was gerade ansteht. Bei sehr warmen Temperaturen, fächeln die Hummeln mit ihren Flügeln frische Luft ins Nest, um die Temperaturen zu senken, damit der Nachwuchs sich gut entwickeln kann.
Wie sich der «Schlafentzug» längerfristig auf die Hummeln auswirkt, ist noch kaum untersucht. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Hummeln recht gut damit zurechtkommen – es wurde kein «Nachholen» des Schlafs beobachtet, sobald die Brut weg war. Anders sah es aus, wenn die Forscher die Hummeln im Schlaf durch Vibrationen störten. Solche Störungen steckten sie viel schlechter weg und kompensierten den Schlafmangel tagsüber öfter mit kurzen Nickerchen.
Text: Michelle Knecht, BienenSchweiz